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Die Distriktkonferenz, die erstmals getrennt von der Distriktversammlung stattfand, hatte am Sonnabend in der Auto-Uni nach der Begrüßung durch Gov. Stender und die Präsidenten Thomas Scharnhorst (RC Gifhorn-Wolfsburg) und Karl-Werner Reibold (RC Wolfsburg) Bilanz und Ausblick als Themen und die Amtsübergabe an Peter Diepold (RC Göttingen), einen festlichen Abend im Science Center Phaeno und am Sonntag den Festakt in der Heilig-Geist-Kirche mit Festrednerin Aygül Özkan (CDU), Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration in Niedersachsen, sowie ein Benefizkonzert mit Jazzpianist Gottfried Böttger und Gospelsängerin Maren Kling zugunsten von End Polio Now auf dem Programm.
Auto-Uni Wolfsburg Die
Auto-Uni ist Teil des Werksgeländes von Volkswagen. Am Tag der
Distriktkonferenz stellte Dr. Dirko Thomsen (Auto-Uni der Volkswagen AG) das
von Architekt Henn entworfene Gebäude und dessen Architekturdetails vor. Über eine Kernkompetenz des Volkswagen-Konzerns, der Entwicklung neuer Fahrzeuge,
informierte Prof. Jochem Heizmann (RC Wolfsburg). VW sei 2010 auf dem Weltmarkt
auf Platz drei gewesen. „Wir wollen die beste AG sein auf der Welt, damit wir
auch die besten Fachkräfte bekommen auf der Welt“, sagte VW-AG-Vorstandsmitglied
Heizmann. Dann stellte er den Forschungsstand in Sachen Elektromobilität dar
und erläuterte Vor- und Nachteile von Verbrennungsmotor-, Hybrid- und
Elektrofahrzeugen. Ziel von VW sei es, alle Fahrzeugklassen zu elektrifizieren.
Dabei werde sich in Zukunft seines Erachtens ergeben, dass Elektrofahrzeuge
hauptsächlich im innerstädtischen Verkehr in Betracht kommen und für große
Reichweiten seien die Plug-in-Fahrzeuge mit akzeptablen CO-2-Werten.
Von Schaumburg nach Schaumburg
„Ein wirklicher Schaumburger kann sich eigentlich nur in Schaumburg wohlfühlen
und dort alt werden“, erklärte RI-Direktor Ekkehart Pandel (RC Bückeburg, rechts mit Peter Diepold und RI-Generalsekretär Ed Futa) zu
Beginn seines Vortrags. Dass er dennoch als wirklicher Schaumburger zwei Jahre
erfolgreich im Board von Rotary International in Evanston (USA) tätig war, mag
daran gelegen haben, dass der Blick vom Präsidentenbüro in der Rotary-Zentrale
auf Schaumburg fällt. So heißt ein Stadtteil von Evanston.
Frd. Pandel berichtete von den Abläufen bei den vier achttägigen Board-Meetings
in Evanston pro Jahr. Es seien sehr arbeitsintensive Treffen mit Präsidium und
17 RI-Direktoren. Sechs davon stammen aus den USA. Auch daran sei auszumachen,
dass Rotary eine internationale Organisation amerikanischer Prägung sei. Pandel
dankte dem in Wolfsburg anwesenden RI-Generalsekretärs Ed Futa für sein
zehnjähriges Wirken an der Spitze von 800 RI-Mitarbeitern. „Er hat die Stellung
von RI im Konzert der großen NGOs deutlich verbessert“, lobte Pandel. Als
Nachfolger von Futa wurde unter 400 Bewerbern Wirtschaftsberater John Hewko
ausgewählt, der als Berater von US-Präsident George W. Bush in Tschechien tätig
war.
Das Bild von Rotary in der Öffentlichkeit
Seit Ende der 1990er-Jahre stagniert die Mitgliederzahl von Rotary weltweit bei
1,2 Millionen. Insbesondere in den USA und Japan sinkt die Zahl der Mitglieder,
während es Zuwächse in Indien und in Europa gibt. In Deutschland steht die
Gründung des 1000. Clubs bald bevor und die Mitgliederzahl betrug im Mai 50866.
RI-Koordinator Klaus Kühn (RC Clausthal-Zellerfeld) machte anhand dieser
Entwicklung deutlich, dass eine Verbesserung des Bildes von Rotary in
Öffentlichkeit notwendig ist. Immer noch gebe es viele Menschen, die von Rotary
noch nichts gehört haben. Im Jahr 2010 hatten von 344 Befragten in Deutschland
nur zwei Drittel von Rotary gehört. Das rotarische Rad als Markenzeichen von
Rotary International „muss mehr in Erscheinung treten“, sagte Kühn, der
forderte, dass „auch in Deutschland etwas getan werden muss, um unser Bild in
der Öffentlichkeit zu verbessern.“ Kühn empfahl, die Angebote von Distrikt und
Verlag stärker zu nutzen.
Hilfe für Pakistan
Die Folgen der Flutkatastrophe in Pakistan sind noch nicht beseitigt. Noch
immer leben Menschen in Notunterkünften. Frd. Folker Flasse (RC Greven / D 1870)
berichtete von der Hilfsaktion, die mit rotarischer Hilfe dafür sorgt, dass
einfache Häuser gebaut werden. Der ehemalige Militär-Attache in Pakistan, der
weiterhin beste Verbindung in das Land hat und selbst vor Ort war, um
Hilfsgüter zu übergeben und Hilfsmittel wie Wasseraufbereitungsanlagen in
Betrieb zu nehmen bzw. der Bevölkerung deren Benutzung zu erklären, bat darum
sich über die Humanity-Care-Stiftung zu informieren (www.humanity-care-stiftung.de)
und sie zu unterstützen.
Rotarische Leidenschaft leben
Aufrüttelnd amerikanisch wandte sich RI-Generalsekretär Ed Futa (RC East
Honolulu, Hawaii) an das Plenum. Gegen das Image, dass Rotarier die
60+-Generation sind gelte es vorzugehen. Mit Profis sollten die Rotarier den
Prozess der Imageänderung starten und dafür sorgen, dass alle Anliegen und
Ziele von Rotary öffentlich bekannt werden. Rotarier seien nicht nur die
Polio-Leute, so Futa. Die Polio-Kampagne müsse erfolgreich beendet werden und
dann sollten weiterhin von Rotary große Hilfsmaßnahmen verwirklicht werden,
empfahl der scheidende Generalsekretär. „Wir müssen das Potential von Rotary
stärker herausstellen“, sagte Futa und stellte klar: „RI ist abhängig von
den Clubs und die Clubs sind abhängig von ihren Mitgliedern.“ Rotary sei nicht
freiwillige Arbeit, sondern freiwilliger Spaß und freiwillige Leidenschaft. Und
abschließend meinte Futa: „Wir benötigen führende Distrikte wie 1800, die
zeigen, wie es geht, rotarische Leidenschaft zu leben.“
Ziele und Freuden des Governors
Seine Amtszeit ließ Governor Stender in seinem Bericht Revue passieren und
mahnte dabei auch fehlende Rückschaubögen und noch ausstehende
Jahreszahlungen an. Bei seinen Clubbesuchen habe er „feststellen können, dass
viele Clubs den Berufsdienst sehr ernst nehmen“, freute sich der scheidende
Governor. Junge Frauen und Männer sollten verstärkt in den Clubs aufgenommen
werden, forderte Stender erneut: „Wenn nicht 30-Jährige, dann die bis zu
40-Jährigen.“ Und die Clubs benötigten interessante Programme, um Mitglieder zu
halten. Erfolgreich sei das Austauschprogramm. Notwendig bleibe für alle Clubs
die Fortbildung. Das Engagement für End Polio Now (2009/10 kamen im Distrikt
639.000 Euro zusammen) sollte nicht nachlassen, so Stender. Er appellierte auch an
alle Clubs den Club Leadership Plan (CLP) anzunehmen und umzusetzen. Seinen ausführlichen Bericht, der alle Bereiche rotarischer Aufgaben
beinhaltete, schloss Stender mit der Einsicht, „dass die Autonomie der Clubs
wirkt“. Er habe mehr bewegen wollen als Governor, erklärte Stender mit soviel
Nachdruck, dass just in dem Moment das rotarische Rad sich vom Rednerpult
löste. Sekretär Schaper und Governor nominee Frank Ehlers sorgten dafür, dass
das rotarische Symbol wieder Halt bekam am Pult. Und Stender erklärte, dass er
dennoch zufrieden sei mit dem Erreichten: „Es war ein schönes Jahr mit Ihnen!“
Das einstige Jahresmotto „Enjoy Rotary“, stellte Stender fest, „das sollte
unser Motto bleiben“.
Auftritt der Inbounds
Sie marschierten mit den jeweiligen Fahnen ihrer Heimatländer in den Saal und
verließen ihn geschlossen mit deutschen Fahnen: Der vom Inboundbeauftragten
Ekkehard Musick (RC Gifhorn-Wolfsburg) moderierte Auftritt der Austauschschüler
war nicht nur farblich, sondern auch emotional der Höhepunkt der Konferenz.
So berichtete die Amerikanerin Kayla Speaker, Deutschland sei für sie zu
einem zweiten Zuhause geworden und ergänzte wörtlich: „Ich habe mich in die
Kultur und in die Menschen hier verliebt.“ Ohne Rotary wäre dies alles nicht
möglich gewesen. Während ein anderer Austauschschüler aus Japan davon berichtete, dass er sich
erst daran habe gewöhnen müssen, dass in Deutschland Busse nur alle zwei
Stunden fahren und die Geschäfte am Sonntag geschlossen bleiben, bedankte sich
eine junge Thailänderin mit einem Tanz stellvertretend bei den anwesenden
Rotariern. Und dann hatte Ekkehard Musick noch eine besondere Überraschung
parat: Stellvertretend für alle Helfer im Team von Rotex 1800, die mit großem
Engagement Jahr für Jahr die In- und Outbounds im Distrikt betreuen und unter
anderem seit 13 Jahren eine dreiwöchige Europatour organisieren, zeichnete er
den letztjährigen Präsidenten Tyll Schultz (Dannenberg, links)
mit einem Paul Harris Fellow aus. Schultz gab das Lob von Ekkehard Musick
direkt weiter: „Diese Ehrung gebührt allen Rotexern – wir sind ein tolles
Team.“
Vorstellung der GSE-Teams
Nachdem sich der Kunsthistoriker Dr. Michael Schwarz in seinem Vortrag mit der Frage "Paradise lost oder: Wer bezahlt die Kunst?" befasst hatte, stellte Gisbert Kuhtz (RC Naumburg, rechts)
das von ihm angeführte vierköpfige GSE-Team des Distriktes vor, das erst kurz
vor der Konferenz nach fünfwöchigem Aufenthalt im Distrikt 6290, der den
westlichen Teil von Michigan/USA sowie Teile der Provinz Ontario in Kanada
umfasst, zurückgekehrt war. Ihren Aufenthalt noch vor sich hat die von Bob
Krueger vorgestellte Gruppe aus Michigan, die die kommenden Wochen bei Clubs im
Distrikt 1800 verbringen wird.
Ehrungen
Seit 1997 ist Dieter Betz (RC Celle) als
Distriktbeauftragter für den GSE-Austausch zuständig. Zuvor hatte er bereits
zweimal ein Team des Distriktes als Verantwortlicher nach Dallas bzw.
Wisnconsin begleitet. Für dieses langjährige Engagement zeichnete Gov. Rolf
Stender Betz, der sein Amt mit Beginn des neuen rotarischen Jahres an Tochter
Frauke weitergibt, mit einem Paul Harris Fellow mit zwei Saphiren aus.
Club-Auszeichnungen
Für seine Bemühungen um eine erfolgreiche Mitgliederentwicklung wurde der RC Helmstedt vom Weltpräsidenten Ray Klinginsmith
mit einer „Presidential Citation“ gewürdigt. Ebenfalls eine Anerkennung aus der
RI-Zentrale in Evanston gab es für die Clubs Bückeburg,
Hildesheim und Lüneburg, deren Mitglieder jeweils mehr als 100
Euro für den Annual Fund gespendet haben.
Festlicher Abend im „Phaeno“
Ein festlicher Abend der besonderen Art beschloss die Distriktkonferenz am
Sonnabend. Im Science Center „Phaeno“ hatten die Gäste im Anschluss an das Essen
die Möglichkeit, sich frei in der Experimentier-Landschaft zu bewegen. Ferner
nutzte RI-Generalsekretär Ed Futa diesen Rahmen, um das langjährige Engagement
von Ulrich Heymann (RC Hannover-Ballhof) – der aus dem Amt scheidende „Mister
Foundation“, wie ihn Gov. Stender vorstellte – lobend zu erwähnen. Heymann erhielt einen "Meritorious Service
Award", die höchstmögliche Ehrung für einen "normalen" Rotarier. Die Urkunde war in einen Walnußholz-Rahmen eingefasst.
Festakt in der Heilig-Geist-Kirche
„Sprache ist der Schlüssel zur Integration, zur Teilhabe am gesellschaftlichen
Leben und am Arbeitsleben“: Ministerin Aygül Özkan sprach am Sonntag in der
Wolfsburger Heilig-Geist-Kirche über die Bedeutung des Ehrenamts und die
Bedingungen für gelingende Integration unter dem Titel „Mehr Gemeinsinn –
weniger Eigensinn“. Die Rede von Niedersachsens Ministerin für Soziales,
Frauen, Familie, Gesundheit und Integration stand im Mittelpunkt des Festaktes
der Konferenz des Rotary Distrikts 1800, der drei Tage in Wolfsburg tagte.
Zuvor hatten Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (RC Wolfsburg),
Landrätin Marion Lau, Inner Wheel Distriktpräsidentin Margit Weller und Lions-Distriktgovernor
Alexander Michel Grußworte gesprochen. Und Gov. Stender verabschiedete mit Dank
Eckart Schlomach (RC Calenberg-Pattensen) nach langjähriger Mitarbeit im
Distriktbeirat als Jugenddienst-Beauftragten.
Vor 162 Rotarierinnen und
Rotariern unterstrich Özkan ihre Überzeugung, dass auch Nachbarschaftshilfe
eine ehrenamtliche Tätigkeit ist. Diese werde oft unterschätzt, sei aber im
partnerschaftlichen Umgang miteinander wichtig. Die CDU-Poltikerin forderte
dazu auf, Jugendliche zu motivieren, ehrenamtlich tätig zu werden. Und mit
Blick auf Integration sagte sie, gerade hier sei das Handeln von Nachbarn und
Menschen in der Umgebung mehr als hilfreich für Migranten, denen vieles hier
noch nicht bekannt sei. „Integration ist keine Einbahnstraße“, erklärte Özkan.
Mitgefühl sei im Miteinander gefragt: „Empathie ist wichtig, wenn wir den
anderen erreichen wollen“.
Ähnlich hatte auch der aus Evanston bei Chicago (USA) zur Konferenz angereiste
Rotary-Generalsekretär Ed Futa hinsichtlich des Engagements von Rotariern
argumentiert. Je überzeugter die von ihrer Sache seien, umso besser könnten sie
davon andere überzeugen.
Überzeugt wurden die Teilnehmer des Festaktes von der musikalischen Leistungsfähigkeit von Christian
Biskup (Klavier) und Magnus Maaß (Klarinette). Die Schüler der Musikschule der
Stadt Wolfsburg erhielten herzlichen Applaus und Bravo-Rufe für ihre gelungene
Darbietung von Klarinettenkonzerten von Mozart und Weber.
Benefizkonzert für "PolioPlus" Nach kurzer Mittagspause wurde der Musikgenuss fortgesetzt mit Jazz und Gospel.
Der Hamburger Jazzpianist Gottfried Böttger und die Lübecker Gospelsängerin
Maren Kling begeisterten rotarische und nicht-rotarische Gäste des
Benefizkonzerts zugunsten von END POLIO NOW. Böttgers ausgezeichnetes,
leichthändiges Spiel sorgte für Stimmung, seine versierten und zugleich
unterhaltsamen Erläuterungen für mehr Kenntnis über die Ursprünge des Jazz. Und
die junge Sängerin Maren Kling, die gerade ihr Abitur absolviert hat,
überzeugte mit sicherem, raumfüllenden Gesang von Gospelklassikern. Das Publikum
war begeistert von diesem Duo.
Golfturnier
Den Ehrenpreis des Governors beim Golfturnier am Vortag der Distriktkonferenz
sicherte sich der Präsident des neu gegründeten RC Braunschweig-Heinrich der
Löwe, Jörg-Rainer Hens.
Text: Angela Brünjes/Ralf Leineweber
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